Leserfrage zum Beitrag: „In der Annahme liegt Ruhe und Freiheit“.

Die folgende Leserfrage und weitere mit ganz ähnlichem Inhalt erreichten mich gestern im Laufe des Tages zu o.g. Beitrag. Eigentlich beantworte ich Leserfragen immer persönlich, doch in diesem Fall mache ich aufgrund der Vielzahl zum gleichen Thema eine Ausnahme.

Leserfrage von G. aus Hannover:

Liebe Stefanie,

du hast doch auch kämpfen müssen gegen deine Krankheit, oder? Geht das anders, bei so enttäuschenden und traumatischen Ereignissen.

Wenn nicht, dann frage ich mich, wie Du das alles geschafft hast? Wirklich nur mit Annahme?

Gruß G.

Antwort:

Nein, ich habe nicht gekämpft! Zunächst einmal dachte ich zu Anfang eine ganze Weile, es nicht zu schaffen. Ich wusste absolut nicht, wie ich mit meinem Schlaganfall und seinen Folgen und mit der Tatsache, in der schwersten Stunde verlassen worden zu sein, umgehen sollte.

Der Schmerz war unerträglich, vernichtend und entwürdigend. Manchmal wusste ich nicht, was für mich schlimmer war. Der Schlaganfall oder die Tatsache, von meinem Ex-Freund so behandelt worden zu sein. Ich fühlte mich so wertlos durch seine Missachtung. Ich fühlte mich komplett entwürdigt.

Auch der Schmerz über meine anfängliche körperliche Behinderung war unerträglich und dennoch wurde mir zunehmend bewusst, dass ich keinen Kampf führen wollte und dies auch kein Weg für mich war. Ich war zu schwach zum Kämpfen, ich wollte auch nicht mehr kämpfen, ich wollte einfach nur leben und sein dürfen. So wie ich war! Ich wollte mich selbst annehmen und angenommen werden.

Kampf bedeutet Widerstand und erzeugt Druck. Genau das konnte ich nicht mehr ertragen. Ich war damit beschäftigt, mich so anzunehmen, wie es sich durch den Schlaganfall verändert hatte und um meinen Freund wollte ich auch nicht kämpfen. Ich kann niemanden zwingen mich zu lieben und bei mir zu bleiben!

Ich nahm an, was sich mir offenbarte und ich spürte immer mehr, wie sich dadurch der Schmerz kontinuierlich minimierte. Es dauerte, ja es gibt heute noch Tage, an denen es mir schlecht geht und ich muss(te) mich durch diesen Schmerz durcharbeiten und arbeite noch heute daran. Ich stellte mich all meinen Schattenseiten und das war und ist harte Arbeit, die ich da durchführe. Ich arbeite sehr an mir, sowohl physisch als auch psychisch. Ich hatte nie den Gedanken, dass ich etwas „weg“ haben wollte, sondern ich verbündete mich mit meinen Gefühlen und meiner Krankheit. Ich durchlebte sie und fühlte in jeden noch so verwinkelten und versteckten Aspekt dieser Tatsache.

Wir lernen alle sehr früh, gegen etwas zu sein, uns zu behaupten, besser zu sein und abzuwehren. Doch das ist aus meiner Sicht nicht der Weg!  Es darf alles gleichzeitig existieren und hat auch seine Berechtigung.

  • Wir müssen aufhören, alles in irgendeine Schublade stecken zu wollen und in richtig oder falsch zu unterteilen.
  • Wir müssen aufhören zu bewerten und zu verurteilen.
  • Wir müssen aufhören zu vergleichen.
  • Wir müssen aufhören, alles kontrollieren zu wollen und
  • wir müssen aufhören, von anderen Menschen etwas zu erwarten!

Wenn wir ganz bei uns bleiben und für unser eigenes Wohl liebevoll sorgen, dann haben wir genug zu tun und das Leben und seine Ereignisse können sich wunderbar entfalten.

Aus meinen persönlichen Erfahrungen kann ich immer wieder nur jedem ans Herz legen, sich NICHT GEGEN etwas zu stellen, sondern mit ANNAHME dessen, in sich zu gehen und die eigenen Reaktionen nicht vom Verhalten anderer abhängig zu machen.

Ansonsten führst Du einen Kampf gegen Dich selbst und wie soll das enden? Was soll daraus entstehen? Allenfalls Enttäuschung, Verbitterung, Traurigkeit, Einsamkeit, Hilflosigkeit und genau das kann transformiert werden in Freude, Mut, Kraft, Glück, Zufriedenheit und Liebe……

Gerne kannst Du mich kontaktieren, falls Du diesbezüglich eine Beratung oder ein Gespräch wünschst. www.stefanie-will.de

Von Herzen ♥

Stefanie

 

© Copyright Text 2015, Stefanie Will

 

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare zu “Leserfrage zum Beitrag: „In der Annahme liegt Ruhe und Freiheit“.

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