Die Gedanken der Anderen…

Orion Nebula - new image from Hubble & Spitzer

 

Denkst auch du häufig daran, was andere über dich, dein Leben oder deine Entscheidungen und dein Verhalten denken mögen? Warum hältst du es für so wichtig, was die Anderen von dir halten, welche Gedanken sie sich über dich machen?

Was haben die Gedanken der Anderen tatsächlich mit dir zu tun? Was ändern diese Gedanken in DEINEM Leben?

Schau einmal genau hin und frage dich, warum du dein Sein von anderen Menschen abhängig machst. Du bist, wie du bist und daran kann kein Gedanke, von wem auch immer, etwas ändern! Gebe dem bloßen Gedanken eines anderen Menschen nicht diese ungeheure Macht, dich zu beschränken, an dir selbst zu zweifeln oder gar dein Wesen anpassen zu wollen! Bleibe stets bei dir und folge deinem Gefühl, ganz gleich, was andere von dir denken mögen!

Jeder von uns geht seinen Weg nach seinen ganz persönlichen Möglichkeiten und seiner eigenen Geschwindigkeit, was nicht oft genug erwähnt werden kann. Jeder von uns hat seine Lernaufgaben in dieser Inkarnation und diese gilt es zu erkennen und zu lösen. Lass dich nicht durch andere gefangen halten und beschränke nicht deine ganz eigene Wahrnehmung durch die Verurteilungen und Bewertungen anderer Menschen!

Hierzu möchte ich euch ein Beispiel aus meinem Leben berichten:

Wer auf meinem Blog schon ein wenig herum gestöbert hat, wird meine persönlichen Erfahrungen kennen. Ich hatte euch davon berichtet, dass ich vor zweieinhalb Jahren, als ich aus dem Nichts heraus einen Schlaganfall erlitt, von meinem Freund nach dem Besuch bei mir auf der Intensivstation nie wieder etwas gehört habe. Er saß damals auf meiner Bettkante, streichelte mein Gesicht, was ich zum damaligen Zeitpunkt nicht fühlen konnte, da meine linke Körperhälfte komplett gelähmt war, stand auf und schloss die Tür hinter sich ohne ein weiteres Wort. Er hatte seine Entscheidung wohl getroffen, von der ich in dem Moment nichts ahnen konnte und zog diese in den darauf folgenden Monaten und Jahren unbarmherzig durch, ohne sich je bei mir gemeldet zu haben.

Jeden einzelnen Tag dieser vergangenen 33 Monate hatte ich die Hoffnung auf einen Kurswechsel seinerseits. Bei jedem Klingeln an meiner Haustüre erschrak ich und hoffte darauf, dass er vor meiner Türe stehen würde. Bei jedem Klingeln meines Telefons dieselbe Hoffnung. Wir begegneten uns häufig mehrmals die Woche in unserem eher kleinen Wohnort an unterschiedlichen Stellen, doch er zeigte keinerlei Reaktion. Für ihn schien ich nicht mehr zu existieren.

Ich nahm es so an, genauso, wie sich mir diese Lage präsentierte. Wollte nichts forcieren und war zu sehr mit meiner körperlichen und seelischen Wiederherstellung beschäftigt, denn ich benötigte jegliche mir zur Verfügung stehende Energie für meine Genesung. Die Kraft für ein Gespräch und den Mut auf ihn zu zu gehen fehlten mir und irgendwie war mir bewusst, dass ich nichts tun konnte!

Ich nahm es so hin und ließ ihn gewähren. Sprach ihn nicht an und stellte ihn auch nicht zur Rede. Versuchte immer bei mir und meinen Themen zu bleiben, was gerade zu Anfang sehr herausfordernd und schwierig für mich war. Es tat weh, sehr sehr weh und nicht selten fragte ich mich, woher ich diese enorme Kraft nahm, so souverän auf diese wirklich „schräge“ und lieblose Situation reagieren zu können. Ich empfand Mitgefühl für ihn und es tat mir ebenso weh, ihn so „verstört“ und geradezu „hilflos“ zu sehen. Wie selbstverständlich spürte ich, dass es mir nicht zustand, ihn in seinen Lebensthemen zu „stören“. Somit verging Tag für Tag und Jahr um Jahr, ohne das sich etwas daran änderte.

Ja….. und am 09.09.2015 kam dann der Tag, den ich mir so sehr ersehnt hatte. Ich erhielt eine E-Mail von ihm. Doch der Inhalt dieser Mail war alles andere, als das, was ich mir gewünscht hatte. Das ich keinerlei Erwartungen an meine Mitmenschen stellen kann, dass habe ich längst gelernt und verstanden und dennoch…..

OK….er schrieb nur wenige Sätze, worin er mich in meinem Wesen stark kritisierte und verurteilte. Von Dingen sprach, die viele Jahre zurück lagen und zudem behauptete, ich hätte meine Krankheit inszeniert und ob ich mir vorstellen könnte, was dies in seinem Leben angerichtet hätte!?

Tja….. da saß ich nun, konnte es zunächst gar nicht fassen. Waren doch seine Zeilen und seine Äußerungen fernab jeglicher mitfühlenden und eigenverantwortlichen Gesinnung. Er behauptete tatsächlich, ich hätte meinen Schlaganfall inszeniert!?? Wie das gehen soll, weiß der Himmel?

Warum schreibe ich euch das:

Weil dies ein sehr gutes Beispiel dafür ist, was sich Menschen in ihrer eigenen Wahrnehmung und zum Teil „pathologischen“ Persönlichkeit, alles zurecht legen und denken.

Doch schon nach wenigen Sekunden war für mich klar, es waren SEINE GEDANKEN.

Sein DENKEN hat NICHTS mit mir zu tun. Ich kann seine Gedanken weder ändern, noch zurecht rücken und genau das, ist auch nicht meine Aufgabe! Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis mich rechtfertigen zu wollen. Denn warum sollte ich das tun? Was spielt es (noch) für eine Rolle, was ER denkt? Es ging in diesen Zeilen zwar anscheinend um mich, und sie waren an mich gerichtet, doch beim genauen Betrachten erzählte er mit seinen Anschuldigungen sehr viel von sich, seiner Hilflosigkeit und seiner Überforderung.  Es gäbe noch so viel dazu zu sagen, doch darum geht es an dieser Stelle nicht und würde am Thema vorbei gehen 🙂

Mit diesem Beispiel möchte ich euch aufzeigen, dass ganz egal wie ungerecht, wie fernab jeglicher Realität sich die Gedanken anderer Menschen auch bewegen, ihr seid weder dafür verantwortlich, noch sollten diese euch von eurem Weg abbringen oder dazu verleiten, euch selbst zur Wehr zu setzen! Auch wenn es scheinbar und indirekt mit euch zu tun hat. Wir haben zu keinem Zeitpunkt unseres Lebens Einfluss darauf, was jemand denkt! 

Es sind die Gedanken der Anderen und diese wiederum sind von so vielen Faktoren, persönlichen Erfahrungswerten, dem Bewusstseinszustand, der Fähigkeit der Reflexion und der Eigenverantwortung der jeweiligen Person abhängig.

Ich möchte jedem hier ans Herz legen, sich nicht durch die Gedanken anderer Menschen irritieren zu lassen. Ihr müsst euch nicht rechtfertigen, ihr müsst euch auch nicht verteidigen und schon gar nicht den Ansprüchen oder Anforderungen anderer gerecht werden.

Wir können NIEMANDEN ändern, wir können auch niemanden dazu bringen, uns zu lieben, zu verstehen und uns zu unterstützen.

Diese Liebe für das jeweilige SEIN kann sich nur jeder selbst geben. Befreit EUCH aus den gedanklichen Beschränkungen, Anschuldigungen, Verurteilungen und Bewertungen eurer eigenen Gedanken und den Gedanken der anderen. Denn auch wir und jeder einzelne von uns trägt Gedanken in sich, die anderen Menschen Unrecht tun. Achte auf deine Gedanken und versuche dich von kategorischem und konditioniertem Denken zu befreien. Versuche das Leben eines jeden Individuums zu respektieren und allenfalls erhebend auf deine Mitmenschen zu wirken. 

Wir SELBST sind verantwortlich und nur wir selbst entscheiden über unsere Reaktion. Versuche in deinem ganz persönlichen Frieden und der Liebe zu bleiben, auch wenn um dich herum der Sturm tobt und dieser dich zeitweise in seiner Turbulenz mitzureißen scheint.

Von ganzem Herzen ♥

Stefanie

 

© Copyright Text 2015, Stefanie Will

Bildnachweis: Marc Soller, „Orion Nebula – new image from Hubble & Spitzer“, CC-Lizenz (BY 2.0),
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, Bilddatenbank http://www.piqs.de

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10 Kommentare zu “Die Gedanken der Anderen…

  1. Lieber Franz,
    ich danke dir sehr für deine so ausführlichen Zeilen. Es freut mich, dass mein Beitrag dich „gefunden“ hat und dies wohl genau zum richtigen Zeitpunkt :-).
    Der Weg zu sich SELBST ist meist gekennzeichnet durch eine sehr holprige, schmerzhafte und oft auch einsame Zeit. Es kann sich mitunter anfühlen, als würde man alles verlieren. Doch wenn man all diesen Schmerz in aller Tiefe durchwandert und sich dem, was sich zeigen und erlöst werden möchte, hingibt, dann kommt man sich selbst immer und immer näher. Und was gibt es Wertvolleres, als sich SELBST zu finden!
    Was die „ANDEREN“ denken oder gar dazu sagen, darf im eigenen Vorankommen keine beeinträchtigende Rolle spielen!

    Du bist auf dem richtigen Weg und ich finde es wunderbar, wie offen du dich hier zeigst und davon berichtet hast.
    Danke dir dafür!!
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Liebe, viel Kraft und liebe Menschen, die dich unterstützen und erheben 🙂
    Stefanie

  2. Liebe Stefanie,
    staunend und dankbar sitze ich vor Deinen Zeilen, die ich (oder sie mich) heute morgen gefunden habe. Sie bestärken und unterstützen mich auf meinem Weg zu mir, auf dem ich in den letzten sechs Jahren großes Leid, tiefen Schmerz und unendliche Verzweiflung erfahren habe.
    Davor habe ich 57 Jahre nach den Maßstäben der Anderen gelebt, mir Sorgen über die Gedanken meiner Mitmenschen, die sie eventuell über mich haben könnten, gemacht.
    Habe funktioniert, Andere zufrieden gestellt und mich dabei verloren.
    Erst nach meinem Zusammenbruch und den ersten zögerlichen Versuchen, die Ursache für mein Verhalten herauszufinden, gelang es mir Schritt für Schritt, mein Selbst wahrzunehmen und immer achtsamer mit mir und meinen Bedürfnissen umzugehen.
    Und obwohl mir zu „den Gedanken der Anderen“ bestimmt sehr viel bewusst wurde, möchte ich Dir sagen, dass Deine Zeilen zu diesem Thema das Beste sind, was ich in letzter Zeit gelesen habe.
    Ach, ist das Leben schön.

    Alle(s) Liebe für Dich
    Franz

  3. Liebe Marlis,

    wie sehr freue ich mich über deine ausführlichen und lieben Zeilen. Ich danke dir von ganzem Herzen dafür.
    Es stimmt, in mir klingt keine Wut oder Groll nach. Manchmal wunderte ich mich darüber und dennoch gab mir genau wie du schreibst,
    diese Liebe aus mir heraus, immense Kraft und darüber bin ich unendlich dankbar.

    So wie du sagst, ich bin frei ❤

    Wünsche dir ein wunderschönes Wochenende und schicke ganz liebe Grüße
    Stefanie

  4. Liebe Stefanie, das hast du großartig geschrieben! In deinen Gedanken liegt so viel Versöhnliches und das wird es auch sein, woraus Du Deine Kraft geschöpft hast und schöpfst. Die Projektion der eigenen Gedanken und negativen Gefühle auf andere (und die Tendenz, diese dann auch noch im anderen bekämpfen zu wollen) ist ein sehr unangenehmer Abwehrmechanismus der eigenen Unzulänglichkeit und kann dem Betroffenen sehr schmerzen, der sie zu spüren bekommt. Du gehst deinen eigenen Weg, selbstständig und frei. Wenn dich irgendwann jemand begleiten möchte, wirst du dich freuen, ihn begrüßen, wirst aber keineswegs abhängig von ihm sein! Glück wünsche ich dir und Kraft und sende ganz herzliche Grüße an Dich!
    Marlis

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